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Chartanalyse

Aufwärtstrend erkennen: Trend oder Seitwärtsphase?

Bevor du einen Trade eingehst, gibt es eine Frage, die wichtiger ist als jeder Widerstand und jedes Candlestick Pattern: Ist der Markt gerade im Trend oder in einer Seitwärtsphase? Mit fünf Kriterien beantwortest du sie sicher.

Patrick Streck 7 Min. Lesezeit

Bevor du deinen nächsten Trade eingehst, solltest du dir eine Frage stellen. Sie lautet nicht „Wo ist der nächste Widerstand?“ oder „Welches Candlestick Pattern sehe ich gerade?“, sondern: Befindet sich der Markt in einer Trendphase oder in einer Seitwärtsphase?

Davon hängt ab, wie du dich verhalten solltest. Manche Setups funktionieren in Trendphasen sehr gut und in Seitwärtsphasen überhaupt nicht – und umgekehrt. In diesem Artikel zeige ich dir fünf Kriterien, mit denen du einen Aufwärtstrend sicher von einer Seitwärtsphase unterscheidest.

Die zwei Marktphasen

Im Grunde gibt es im Trading nur zwei Marktphasen:

  • Trendphase: Der Markt bewegt sich in Swing-Bewegungen klar in eine Richtung. Ein Aufwärtstrend hat steigende Hochpunkte und gleichzeitig steigende Tiefpunkte. Ein Abwärtstrend ist das Spiegelbild mit fallenden Hoch- und Tiefpunkten.
  • Seitwärtsphase (Range): Der Markt hat eine klare Begrenzung auf der Ober- und der Unterseite. Der Kurs läuft mal nach oben, mal nach unten, verlässt diesen Bereich aber nicht.

So verhältst du dich in beiden Phasen

Trendphase Seitwärtsphase
Was du handelst Pullbacks, also Rücksetzer in der Swing-Bewegung die äußeren Ränder der Range
Richtung immer in Trendrichtung, nie gegen den übergeordneten Trend gegen den Rand, zurück Richtung Mitte
Was du vermeidest Trades gegen den Trend Trades in der Mitte der Range
Worauf du spekulierst Trendfortsetzung Rücklauf in die Range

In der Mitte einer Range ist es zu volatil: Der Kurs kann in beide Richtungen laufen, und du wirst leicht ausgestoppt. Mehr dazu im Artikel zum Breakout Trading.

5 Kriterien: So erkennst du einen Aufwärtstrend

Die folgenden fünf Kriterien zeige ich am Beispiel eines Aufwärtstrends im Tageschart. Für einen Abwärtstrend gelten sie genauso, nur umgekehrt.

1. Die Struktur

Das erste und wichtigste Kriterium ist die Struktur aus markanten Hoch- und Tiefpunkten. Im Aufwärtstrend macht der Kurs immer wieder ein höheres Hoch und dazu mehr oder weniger steigende Tiefs. Das sind die Swing-Bewegungen: Der Trend setzt sich fort, indem der Kurs das vorherige Hoch immer wieder übersteigt.

2. Die Pullbacks

Auf jede lange Aufwärtsbewegung folgt ein kürzerer Rücksetzer, der Pullback. Lange Bewegung nach oben, kurzer Rücksetzer, wieder lange Bewegung nach oben. In einer Trendphase sind die Pullbacks immer kürzer als die Bewegungen in Trendrichtung.

3. Wo der Kurs zurücksetzt

Das dritte Kriterium ist der Ort der Pullbacks. Im Aufwärtstrend läuft der Kurs typischerweise in zwei Arten von Bereichen zurück:

  • Vorherige Widerstandsbereiche: Der Kurs bricht über ein altes Hoch, läuft zurück und testet es von oben. Diese Retests nutze ich in meinem Trading gerne als Einstieg.
  • Dynamische Bereiche um gleitende Durchschnitte: In einer schönen Aufwärtsbewegung läuft der Kurs immer wieder in den Bereich um den EMA 50 zurück, verteidigt ihn und setzt den Trend fort. Der 50er läuft in impulsiven Trends enger mit, der 200er ist langsamer.

Warum ich dafür Bereiche statt Linien nutze, erkläre ich im Artikel zu Unterstützung und Widerstand.

4. Die Kerzen

Schon ein einfacher Blick auf die Kerzen verrät viel: In einem Aufwärtstrend überwiegen grüne Kerzen, und zwar vor allem volle grüne Kerzen, deren Körper fast die ganze Spanne ausfüllt. Ihr Anteil ist deutlich größer als der Anteil der roten Kerzen.

5. Die Dochte

Das fünfte Kriterium sind die Dochte. Im Aufwärtstrend liegen sie überwiegend auf der Unterseite – selbst bei roten Kerzen. Die Verkäufer versuchen es, werden aber immer wieder zurückgewiesen. Dochte auf der Oberseite gibt es dagegen kaum. Wie du Körper und Dochte liest, zeige ich ausführlich im Artikel Candlestick Pattern verstehen.

Und was ist mit den Ausreißern?

Auch in einem schönen Aufwärtstrend gibt es im Tageschart immer wieder starke Ausreißer nach unten. Um sie einzuordnen, gehst du eine Zeitebene höher. Im Wochenchart wendest du dieselben Kriterien an. Siehst du dort weiter steigende Hoch- und Tiefpunkte, ist der übergeordnete Aufwärtstrend intakt, und der Ausreißer ist nur ein Rücksetzer.

Beispiel: Abwärtstrend bei SAP

Im Video drehe ich das Ganze am Chart von SAP um. Nach einer Schwächephase und einer kurzen Erholung bildete die Aktie fallende Tiefpunkte. Die Rücksetzer nach oben waren kurz und endeten immer wieder im Bereich um den EMA 50, der hier als dynamischer Widerstand wirkte.

Genau diese Rücksetzer sind die spannendsten Einstiegsgelegenheiten im Abwärtstrend. An einer Stelle lief der Kurs in den Bereich und bildete eine Kerze mit einem langen oberen Docht – Verkaufsdruck genau am dynamischen Widerstand. Danach setzte sich der Abwärtstrend fort. Beim nächsten Pullback wiederholte sich das Bild, diesmal sogar mit höherem Volumen. Das Beispiel siehst du im Video ab Minute 7:46.

So erkennst du eine Seitwärtsphase

Für die Seitwärtsphase nutzt du genau dieselben fünf Kriterien, nur mit anderem Ergebnis:

Kriterium Aufwärtstrend Seitwärtsphase
1. Struktur höhere Hochs, höhere Tiefs klare Begrenzung oben und unten
2. Pullbacks kurz im Verhältnis zur Aufwärtsbewegung eher weite Bewegungen von Rand zu Rand
3. Dynamische Bereiche Kurs prallt am EMA-Bereich ab ohne Aussagekraft, wird ständig über- und unterschritten
4. Kerzen überwiegend volle grüne Kerzen grüne und rote Kerzen gleich verteilt
5. Dochte vor allem auf der Unterseite oben am oberen Rand, unten am unteren Rand, in der Mitte auf beiden Seiten

Ein Beispiel aus dem Video ist eine Aktie, die sich seit November 2025 seitwärts bewegt. Die oberen und unteren Preisbereiche sind durch markante Hoch- und Tiefpunkte klar erkennbar, und der Kurs pendelt zwischen ihnen, ohne sie zu verlassen.

Besonders deutlich ist das dritte Kriterium: Der Bereich um den EMA 50 hat hier keine Aussagekraft. Er wird ständig übersprungen oder unterlaufen. Würdest du daraus Signale ableiten, müsstest du fast täglich handeln. Dynamische Bereiche sind in einer Seitwärtsphase nutzlos.

Auch Kerzen und Dochte zeigen das Gleichgewicht: Auf Aufwärtsbewegungen folgen genauso viele rote Kerzen. Am oberen Rand bilden sich Dochte nach oben, weil Verkäufer hinzukommen, am unteren Rand Dochte nach unten. In der Mitte haben viele Kerzen lange Dochte auf beiden Seiten – ein Zeichen von Unentschlossenheit.

So handelst du die Seitwärtsphase

Im zweiten Beispiel aus dem Video, einer Range seit Februar 2026, lief der Kurs in den unteren Preisbereich und bildete dort eine Kerze mit langem unterem Docht bei hohem Volumen. Das spricht für eine Ablehnung des Bereichs. Der Stop ist hier klar definiert: knapp außerhalb des Preisbereichs. Das Ziel ist der Rücklauf Richtung Mitte der Range.

Trend erkennen im Tages- und Wochenchart

Für Swing-Trading neben dem Beruf ist die Kombination aus Tages- und Wochenchart ideal. Der Wochenchart zeigt dir die übergeordnete Phase und hilft, Ausreißer im Tageschart richtig einzuordnen. Im Tageschart prüfst du dann die fünf Kriterien und suchst deinen Einstieg – in Richtung des übergeordneten Trends. Beides kannst du abends nach Handelsschluss in Ruhe erledigen.

Wie du gleitende Durchschnitte über zwei Zeitebenen kombinierst, zeige ich im Artikel zum gleitenden Durchschnitt.

Wie dieser Baustein in meinen kompletten Ablauf passt, zeige ich im Leitfaden Swing Trading neben dem Beruf.

So hilft dir Altraviz dabei

Die Marktphase ist die erste Frage bei jeder Aktie. Altraviz beantwortet sie dir, bevor du den Chart öffnest:

  • Trend auf Tages- und Wochenbasis: Im Aktien-Screener siehst du den Trend für beide Zeitebenen direkt nebeneinander und kannst danach filtern. So erkennst du auf einen Blick, wo sich kurzfristige Bewegung und übergeordneter Trend decken.
  • Events im Trend: Altraviz analysiert täglich über 700 Aktien und erkennt Ereignisse wie Retests oder Candlestick-Muster automatisch. Du findest gezielt die Pullbacks in Aktien, die sich im Aufwärtstrend befinden.
  • Struktur schon im Chart: Die automatische Chartanalyse zeigt Hochs, Tiefs und Widerstandszonen direkt an. Die Struktur aus Kriterium 1 siehst du damit sofort.

Häufige Fragen zum Aufwärtstrend

Wann spricht man von einem Aufwärtstrend?

Von einem Aufwärtstrend spricht man, wenn der Kurs steigende Hochpunkte und gleichzeitig steigende Tiefpunkte bildet. Zusätzliche Hinweise sind kurze Pullbacks, ein Abprallen an Bereichen wie dem EMA 50, überwiegend volle grüne Kerzen und Dochte vor allem auf der Unterseite.

Was ist eine Seitwärtsbewegung?

Bei einer Seitwärtsbewegung, auch Seitwärtstrend oder Range genannt, bewegt sich der Kurs zwischen einer klaren Ober- und Untergrenze hin und her, ohne diesen Bereich zu verlassen. Käufer und Verkäufer sind im Gleichgewicht.

Wie erkenne ich einen Trendwechsel?

Ein Trendwechsel kündigt sich an, wenn die Kriterien kippen: Der Kurs schafft kein neues Hoch mehr, die Pullbacks werden tiefer, der Bereich um den gleitenden Durchschnitt wird durchbrochen und nicht zurückerobert, und Dochte tauchen zunehmend auf der Oberseite auf. Ein einzelnes Kriterium reicht dafür nicht.

Welche Zeitebene eignet sich, um den Trend zu bestimmen?

Für Swing-Trading eignen sich Tages- und Wochenchart. Der Wochenchart zeigt den übergeordneten Trend, der Tageschart die aktuelle Phase und mögliche Einstiege.

Funktionieren gleitende Durchschnitte in einer Seitwärtsphase?

Kaum. In einer Seitwärtsphase pendelt der Kurs ständig um den gleitenden Durchschnitt herum, Signale daraus wären fast täglich und meistens falsch. Gleitende Durchschnitte entfalten ihre Stärke in Trendphasen.

Dieses Setup jeden Tag automatisch finden.

Altraviz analysiert täglich über 700 Aktien und markiert Events wie den Test des EMA-200-Bereichs oder eine Pinbar – du öffnest nur noch die Charts, bei denen sich ein Blick lohnt.