Trading-Strategie
Breakout Trading: Ausbruch oder Fakeout aus der Range?
Eine Seitwärtsphase wirkt langweilig, doch genau hier entstehen einige der besten Chancen. Entscheidend ist der Moment des Ausbruchs: Entsteht echtes Momentum – oder ist es nur ein Fakeout?
Patrick Streck 7 Min. Lesezeit
Wenn sich ein Markt seitwärts bewegt, wirkt das zunächst wenig spannend. Doch gerade in einer Seitwärtsphase siehst du sehr klar, wo Käufer und Verkäufer aktiv werden – und wann sich das Gleichgewicht zwischen ihnen verschiebt. Besonders spannend wird es beim Ausbruch: Entsteht dort echtes Momentum, oder läuft der Kurs gleich wieder in die Range zurück?
In diesem Artikel zeige ich dir, wie du eine Range erkennst, warum du nie in ihrer Mitte handeln solltest, woran du einen nachhaltigen Breakout erkennst und warum ich selbst lieber auf den Retest warte.
Was ist eine Range?
Eine Range ist eine Seitwärtsphase mit klar erkennbaren Preisbereichen auf der Ober- und Unterseite. Im Gegensatz dazu steht der Trend: Ein Aufwärtstrend hat steigende Hochpunkte und steigende Tiefpunkte. Den Unterschied zwischen beiden Marktphasen erkläre ich ausführlich im Artikel Aufwärtstrend oder Seitwärtsphase.
In einer Range ist die Obergrenze durch markante Hochpunkte entstanden, die Untergrenze durch markante Tiefpunkte. Der Kurs läuft immer wieder in diese Bereiche und prallt dort ab:
- Unten werden die Käufer aktiv. Sie sind bereit, zu diesem Preis zu kaufen.
- Oben wird der Verkaufsdruck zu groß. Viele sind bereit, hier auszusteigen.
Solche Phasen können lange dauern. Im Tageschart sind sechs Monate keine Seltenheit, und eine der spannendsten Seitwärtsphasen, die ich beobachtet habe, war die von Infineon: Über zweieinhalb Jahre lief die Aktie zwischen klar definierten Hoch- und Tiefpunkten hin und her.
Wichtig: Die Grenzen einer Range sind Bereiche, keine exakten Linien. Warum das so entscheidend ist, liest du im Artikel zu Unterstützung und Widerstand.
Regel 1: Niemals in der Mitte der Range handeln
Die erste Regel ist die wichtigste: In der Mitte einer Range wird weder gekauft noch verkauft. Dafür gibt es zwei Gründe.
- Die Volatilität ist hoch. Der Kurs läuft oft schnell zur Unterseite und genauso schnell wieder zur Oberseite. In der Mitte wirst du leicht ausgestoppt.
- Das Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) ist schlecht. Dein Stop liegt weit entfernt, dein Kursziel ist nah.
Ein Beispiel aus dem Video: Der Kurs läuft mit hohem, ansteigendem Volumen in den oberen Bereich der Range, und die Kerze dort hat einen langen oberen Docht. Schon diese zwei Kriterien sprechen für eine Ablehnung des Bereichs. Ein Short-Einstieg knapp darunter, der Stop knapp über der Zone und das Kursziel Richtung Mitte ergeben ein viel besseres CRV als jeder Trade aus der Mitte heraus.
In einer intakten Range handelst du also nur an den Rändern und in die Gegenrichtung.
Wann kippt das Gleichgewicht? Das Momentum vor dem Ausbruch
Die eigentlich spannende Frage ist: Woran erkennst du, dass das Gleichgewicht in der Range kippt? Ich nenne das den Momentum-Aufbau.
Stell dir eine Range mit klarer Obergrenze vor. Der Kurs läuft hoch, prallt ab und läuft zurück. Normalerweise würde er jetzt bis zur Untergrenze fallen. Doch plötzlich schaffen es die Verkäufer nicht mehr: Die Rücksetzer enden schon in der Mitte der Range. Die Tiefpunkte steigen, während die Obergrenze gleich bleibt.
Das ist ein Zeichen für ein Ungleichgewicht. Die Käufer werden stärker, ein Ausbruch nach oben wird wahrscheinlicher. Für einen Ausbruch nach unten gilt das Ganze umgekehrt: fallende Hochpunkte unter einer gleichbleibenden Untergrenze. Genau so ein Momentum-Aufbau ging bei Infineon nach zweieinhalb Jahren dem Ausbruch nach oben voraus – zu sehen im Video ab Minute 5:10.
Breakout oder Fakeout?
Nicht jeder Ausbruch ist echt. Ein Fakeout (auch Fake-Breakout oder Fehlausbruch) ist ein Ausbruch, der schnell scheitert: Der Kurs verlässt den Bereich, die Gegenseite drückt dagegen, und er läuft zurück in die Range.
Auch dafür liefert Infineon ein Beispiel. Bevor die Aktie nach oben ausbrach, war sie schon einmal unter die Range gefallen. Vor diesem Ausbruch nach unten gab es aber keinen Momentum-Aufbau wie später auf der Oberseite. Am Folgetag kam eine grüne Kerze mit enorm hohem Volumen – ein deutliches Kaufinteresse. In den Tagen danach lief der Kurs zurück in die Range, statt weiter zu fallen. Was hohes Volumen an solchen Stellen bedeutet, erkläre ich im Artikel zum Handelsvolumen.
Nach einem erkannten Fakeout kann es sehr schnell gehen: Der Kurs läuft nicht nur zurück in die Range, sondern oft direkt weiter zur gegenüberliegenden Seite. Auch das ist eine Chance.
Warum ich den Retest statt des Breakouts handle
Einen Breakout direkt zu kaufen ist für mich ein sehr aggressiver Einstieg. Im Moment des Ausbruchs ist noch nicht klar, wie nachhaltig er ist. Deshalb warte ich, bis der Kurs zum vorherigen Ausbruchsbereich zurückläuft, und achte dort auf eine Reaktion. Erst wenn der Bereich hält, ist der Breakout für mich bestätigt.
Das hat einen Preis, und den solltest du kennen: Du wirst manche Bewegungen verpassen. Nicht jeder Ausbruch kommt noch einmal zurück. Dafür vermeidest du sehr viele Fakeouts. Das musst du psychologisch akzeptieren können.
Bei Infineon lief es nach dem Ausbruch so: Die Aktie testete den alten Ausbruchsbereich zweimal, machte ein neues höheres Hoch und testete den Bereich danach erneut. Dieser letzte Test war nicht eindeutig – ein langer unterer Docht und hohes Volumen sprachen für Käufer, die große rote Kerze dagegen. Die Reaktion in den Folgetagen passte aber, und danach folgte eine sehr starke Aufwärtsbewegung.
Beim Retest achte ich besonders auf zwei Dinge:
- Volumen: Läuft der Kurs mit wenig Volumen zurück, will kaum jemand verkaufen. Das ist ein gutes Zeichen.
- Dochte: Ein langer unterer Docht im Ausbruchsbereich zeigt, dass die Verkäufer dort abgewiesen wurden. Mehr dazu im Artikel Candlestick Pattern verstehen.
Die 4 Regeln für Breakout Trading aus der Range
| Situation | Was du tust |
|---|---|
| Intakte Range | Nur an den Rändern handeln, in die Gegenrichtung. Nie in der Mitte. |
| Breakout | Prüfen, ob sich vorher Momentum aufgebaut hat. Direkt zu kaufen ist aggressiv. |
| Fakeout | Der Kurs scheitert und läuft zurück. Mit einer schnellen Gegenbewegung rechnen, oft bis zur anderen Seite. |
| Retest | Nach einem echten Ausbruch auf die Rückkehr zum alten Bereich warten und auf Volumen und Dochte achten. |
Breakouts im Tages- und Wochenchart
Ranges, die über Monate laufen, siehst du am besten im Tages- oder Wochenchart. Für Swing-Trading neben dem Beruf hat das einen großen Vorteil: Ob ein Ausbruch hält, beurteilst du auf Schlusskursbasis. Ein Kurs, der während des Tages kurz über die Range sticht und zum Schluss wieder darin steht, ist kein Ausbruch. Du musst also nicht den ganzen Tag vor dem Chart sitzen, sondern prüfst die fertige Tageskerze am Abend.
Wie dieser Baustein in meinen kompletten Ablauf passt, zeige ich im Leitfaden Swing Trading neben dem Beruf.
So hilft dir Altraviz dabei
Breakouts und Retests sind genau die Ereignisse, nach denen du sonst hunderte Charts durchsuchen müsstest. Altraviz nimmt dir das ab:
- Automatisch erkannt: Altraviz analysiert täglich über 700 Aktien und markiert Breakouts und Retests als Events, auf Tages- und Wochenbasis.
- Gezielt filtern: Im Aktien-Screener filterst du nach diesen Ereignissen und nach dem Trend. So siehst du sofort, welche Aktien gerade aus einer Range ausbrechen oder ihren Ausbruchsbereich testen.
- Auf den Retest warten: Hat eine Aktie gerade erst ausgebrochen, legst du sie auf deine Watchlist und behältst sie im Blick, bis der Retest kommt.
- Bereiche schon eingezeichnet: In der automatischen Chartanalyse siehst du Hochs, Tiefs und Widerstandszonen direkt im Chart.
Häufige Fragen zum Breakout Trading
Was ist ein Breakout?
Ein Breakout (Ausbruch) ist die Bewegung des Kurses aus einem klar definierten Preisbereich heraus, zum Beispiel über die Obergrenze einer Seitwärtsphase. Er zeigt, dass das Gleichgewicht zwischen Käufern und Verkäufern gekippt ist.
Was ist ein Fakeout?
Ein Fakeout ist ein Ausbruch, der schnell scheitert. Der Kurs verlässt den Bereich kurz, die Gegenseite drückt ihn aber zurück in die Range. Danach folgt oft eine schnelle Bewegung in die Gegenrichtung.
Wie erkenne ich, ob ein Breakout nachhaltig ist?
Sicher erkennst du das im Moment des Ausbruchs nie. Gute Hinweise sind ein Momentum-Aufbau vor dem Ausbruch – etwa steigende Tiefpunkte unter einer gleichbleibenden Obergrenze – und ein Schlusskurs außerhalb des Bereichs. Die beste Bestätigung ist ein Retest, bei dem der alte Bereich hält.
Sollte ich den Breakout oder den Retest handeln?
Beides ist möglich. Der direkte Breakout ist aggressiver und bringt mehr Fakeouts. Der Retest bringt mehr Bestätigung, dafür verpasst du Bewegungen, die nicht noch einmal zurückkommen. Ich handle bevorzugt den Retest.
Warum sollte man nicht in der Mitte einer Range handeln?
In der Mitte ist die Volatilität hoch und das Chance-Risiko-Verhältnis schlecht: Der Stop müsste weit weg liegen, das Kursziel ist nah. An den Rändern der Range ist der Stop klar definiert und das mögliche Kursziel deutlich größer.