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Chartanalyse

Volumen-Spread-Analyse: Preis und Volumen richtig lesen

Indikatoren sind verzögert, allein durch ihre Berechnung. Wer eine Bewegung jetzt beurteilen will, hat eigentlich nur zwei Informationen: Preis und Volumen. Die Volumen-Spread-Analyse zeigt dir, wie du beides zusammen liest.

Patrick Streck 8 Min. Lesezeit

Weißt du, was das eigentliche Problem mit Indikatoren ist? Gleitende Durchschnitte, MACD, Bollinger Bänder – sie alle sind verzögert, und zwar allein durch ihre Berechnung. Wenn du eine Bewegung genau jetzt beurteilen willst, bleiben dir eigentlich nur zwei Informationen: der Preis und das Volumen.

Für genau diese Kombination gibt es eine Methode: die Volumen-Spread-Analyse, im Original Volume Spread Analysis (VSA). Als ich sie gelernt habe, hat sie meinen Blick auf den Chart verändert. In diesem Artikel zeige ich dir, wie sie funktioniert.

Was ist die Volumen-Spread-Analyse?

Die Idee der Volumen-Spread-Analyse ist einfach: Du vergleichst die Preisbewegung einer Kerze (den Spread, also ihre Größe) mit dem Handelsvolumen. Dabei suchst du nur nach zwei Dingen:

  • Bestätigung: Die Größe der Preisbewegung passt zum Volumen. Eine starke Bewegung geht mit hohem Volumen einher, eine kleine mit niedrigem.
  • Divergenz: Preis und Volumen passen nicht zusammen. Genau hier wird es interessant. Eine Divergenz kann ein Zeichen von Schwäche sein, ein Hinweis auf große Marktteilnehmer, die im Hintergrund handeln, und auf einen möglichen Trendwechsel.

Falls du noch nicht mit dem Volumen arbeitest: Die Grundlagen, die häufigsten Mythen und das Denkmodell „Aufwand gegen Ergebnis“ erkläre ich im Artikel Handelsvolumen verstehen.

Die 4 grundlegenden Kombinationen

Kerze Volumen Ergebnis Was es bedeutet
groß, voller Körper hoch Bestätigung Starker Aufwand, starke Bewegung. Der Trend setzt sich fort.
klein niedrig Bestätigung Wenig Bewegung, wenig Interesse, typisch für Seitwärtsphasen und Rücksetzer.
groß niedrig Divergenz Starke Bewegung ohne Beteiligung, ein erstes Warnzeichen.
klein sehr hoch Divergenz Viel Aufwand, kaum Ergebnis. Eine Seite fängt die Bewegung ab.

Große Kerze, hohes Volumen: Eine breite, volle Momentum-Kerze mit hohem Volumen ist die klassische Bestätigung. Ein großer Aufwand muss auch zu einer großen Bewegung führen, und genau das passiert. In solchen Situationen setzt sich der übergeordnete Trend meist fort.

Kleine Kerze, niedriges Volumen: Auch das passt zusammen. In Seitwärtsphasen und bei Rücksetzern siehst du oft kleine Körper, wenig Bewegung und wenig Volumen.

Große Kerze, niedriges Volumen: Im Beispiel aus dem Video gab es in einer Abwärtsbewegung volle rote Kerzen – die Farbe spielt dabei keine Rolle –, aber mit geringerem Volumen als zuvor. Eine starke Bewegung ohne passendes Volumen ist ein erstes Warnzeichen, dass sie nicht mehr trägt.

Kleine Kerze, sehr hohes Volumen: Im Wochenchart zeige ich im Video einen Tiefpunkt, an dem enorm hohes Volumen auf eine sehr kleine Preisbewegung traf, dazu ein langer Docht. Viel Aufwand, kein Ergebnis: Hier hat jemand die Verkäufe aufgefangen. Was Dochte an solchen Stellen aussagen, liest du im Artikel Candlestick Pattern verstehen.

Impuls und Pullback: das Volumen im Trend

Bisher ging es um einzelne Kerzen. Einen Schritt weiter gedacht gilt: Volumen bestätigt eine Trendbewegung, und es hilft dir, einen Pullback einzuordnen.

Im Beispiel aus dem Video macht eine Aktie einen starken Impuls nach oben, begleitet von steigendem Volumen. Die Bewegung ist damit bestätigt. Danach folgt ein Pullback: Die Kerzenkörper werden kleiner, und vor allem fällt das Volumen. Auch das passt. Dann läuft die Aktie mit fast konstantem Volumen seitwärts, bis der nächste Impuls mit einem Ausbruch über das letzte Hoch startet – wieder mit steigendem Volumen.

Ehrlicherweise gibt es immer Ausreißer: Manchmal läuft ein Kurs auch mit geringerem Volumen weiter. Als Faustregel für Pullbacks bleibt aber: Das Volumen im Pullback sollte geringer sein als im Impuls davor.

Mehrere Warnsignale kombinieren

Eine Divergenz allein ist noch kein Grund auszusteigen. Entscheidend ist die Kombination aus mehreren Warnsignalen. Im Video zeige ich das an einer Aktie nach einer sehr starken Aufwärtsbewegung, in der du investiert wärst und nun auf Warnhinweise achtest, um deinen Stop nachzuziehen:

  1. Warnsignal 1: An einem Tag ist das Volumen viel größer als bei den starken grünen Kerzen davor, der Körper aber kleiner. Dazu kommt ein oberer Docht: Verkaufsdruck setzt ein.
  2. Warnsignal 2: Zwei Tage später eine volle grüne Kerze, aber mit geringerem Volumen.
  3. Danach ein Rücksetzer mit fallendem Volumen – das passt – und eine ruhige Seitwärtsphase.
  4. Warnsignal 3: Das Volumen steigt wieder, auf eine grüne Kerze folgt eine ganz kleine Kerze mit hohem Volumen und oberem Docht. Am Folgetag ein ähnliches Bild.
  5. Der Ort: Dieser Abverkauf fand genau im Bereich des vorherigen Hochs statt.

Spätestens hier wäre es Zeit gewesen, den Stop nachzuziehen. Die Aktie schaffte es nicht, den Aufwärtstrend fortzusetzen, und lief zurück.

Umgekehrt: Tiefpunkte und Einstiege finden

Die gleiche Logik hilft dir, mögliche Tiefpunkte zu finden. Im zweiten Beispiel aus dem Video im Tageschart:

  1. Nach einer Phase mit wenig Volumen kommt eine starke rote Kerze mit deutlich höherem Volumen. Das passt zusammen.
  2. Am nächsten Tag steigt das Volumen weiter, aber die Bewegung wird kürzer: Warnsignal 1.
  3. Am Tag darauf ist das Volumen extrem hoch, die Preisbewegung sehr klein, und es bildet sich ein langer unterer Docht. Die Verkäufer haben den Kurs während des Tages noch gedrückt, doch dann kamen Käufer in großer Zahl hinzu und haben den Preis gestützt.

Entscheidend ist, wo es passiert

Die Volumen-Spread-Analyse solltest du nie allein betrachten. Die Aussage von Preis und Volumen hat viel mehr Gewicht, wenn sie an einer entscheidenden Stelle im Chart entsteht:

  • an vorherigen Unterstützungs- und Widerstandsbereichen, wie im Beispiel oben,
  • und an den Bereichen um gleitende Durchschnitte.

Im Video zeige ich eine weitere Aktie mit fast identischem Muster: starke Aufwärtsbewegung, Rücklauf, dann ein Tag mit extrem hohem Volumen, kleinem Körper und langem unterem Docht. Dieser Tag lag nicht nur im vorherigen Preisbereich, sondern zugleich im Bereich um den EMA 50. Wie du solche Bereiche einzeichnest, erkläre ich im Artikel zu Unterstützung und Widerstand.

Vorsicht bei Gaps: Springt der Kurs mit einer Lücke, kann das Volumen enorm hoch sein, während die Kerze selbst klein aussieht. Die eigentliche Bewegung steckt dann im Gap und muss mit berücksichtigt werden.

Der Wochenchart gibt die Richtung vor

Die Volumen-Spread-Analyse funktioniert auf jeder Zeitebene. Besonders effektiv finde ich sie im Wochenchart, um mir eine Richtung für den Tageschart zu geben, auf dem ich dann handle.

Ein Beispiel ist Tesla im Wochenchart im Juli 2024: impulsive Aufwärtsbewegung mit steigendem Volumen, dann eine Woche mit höherem Volumen bei kaum Preisbewegung – genau im Bereich des vorherigen Hochs. Das führte zunächst zu einer Ablehnung. In den Folgewochen lief der Kurs zurück, was du im Tageschart hättest nutzen können. Danach setzte sich der eigentliche Aufwärtstrend fort.

Für Swing-Trading neben dem Beruf passt das gut: Die Wochenkerze bewertest du am Wochenende, die Tageskerze abends nach Handelsschluss.

Die Volumen-Spread-Analyse Schritt für Schritt

  1. Kerze und Volumen betrachten: Wie groß ist die Kerze, wie hoch das Volumen?
  2. Passt das zusammen? Wenn nicht, markiere die erste Divergenz.
  3. Weitere Divergenzen suchen: Treten in den nächsten Kerzen weitere Warnsignale auf?
  4. Übergeordneten Trend prüfen: In welcher Marktphase befindet sich die Aktie? Mehr dazu im Artikel Aufwärtstrend oder Seitwärtsphase.
  5. Den Ort bewerten: Entstehen die Divergenzen an wichtigen Preisbereichen, Unterstützungen, Widerständen oder gleitenden Durchschnitten? Dann haben sie mehr Gewicht.

Erst dann entscheidest du, ob es nur ein kleiner Pullback sein könnte oder ob ein größerer Trendwechsel bevorsteht.

Wie dieser Baustein in meinen kompletten Ablauf passt, zeige ich im Leitfaden Swing Trading neben dem Beruf.

So hilft dir Altraviz dabei

Die Volumen-Spread-Analyse ist Arbeit am einzelnen Chart. Die Frage, welche Charts du dir anschaust, beantwortet Altraviz für dich:

  • Die richtigen Orte finden: Altraviz analysiert täglich über 700 Aktien und erkennt Ereignisse wie Retests, Breakouts oder den Test des EMA-200-Bereichs automatisch – genau die Stellen, an denen die VSA die größte Aussagekraft hat.
  • Wochen- und Tagesbasis nebeneinander: Im Aktien-Screener siehst du Trend und Events für beide Zeitebenen und filterst danach.
  • Chart vorbereitet: In der automatischen Chartanalyse sind Hochs, Tiefs und Widerstandszonen schon eingezeichnet. Das Volumen blendest du mit wenigen Klicks ein und beginnst direkt mit Schritt 1.

Häufige Fragen zur Volumen-Spread-Analyse

Was ist die Volume Spread Analysis (VSA)?

Die Volume Spread Analysis, auf Deutsch Volumen-Spread-Analyse, vergleicht die Größe einer Preisbewegung mit dem dazugehörigen Handelsvolumen. Passen beide zusammen, ist die Bewegung bestätigt. Passen sie nicht zusammen, liegt eine Divergenz vor, die auf Schwäche oder einen möglichen Trendwechsel hindeuten kann.

Was bedeuten steigende Kurse bei fallendem Volumen?

Steigt der Kurs mit vollen Kerzen, aber mit deutlich weniger Volumen als zuvor, trägt die Bewegung nicht mehr so viel Beteiligung. Nach einem langen Anstieg ist das ein mögliches Warnsignal – besonders, wenn weitere Signale dazukommen, etwa obere Dochte bei hohem Volumen.

Ist eine einzelne Divergenz ein Verkaufssignal?

Nein. Eine einzelne Divergenz ist ein Hinweis, genauer hinzuschauen. Erst mehrere Warnsignale zusammen, an einem wichtigen Preisbereich und im Zusammenhang mit dem übergeordneten Trend, ergeben eine belastbare Einschätzung.

Auf welcher Zeitebene funktioniert die Volumen-Spread-Analyse?

Auf jeder. Für Swing-Trading eignen sich besonders der Wochenchart, um die Richtung zu bestimmen, und der Tageschart, um Einstiege und Ausstiege zu finden.

Was ist der Unterschied zwischen VSA und Volumen-Trading?

Die Volumen-Spread-Analyse ist eine Methode, um Preis und Volumen gemeinsam zu lesen. Ich nutze sie als Bestätigung für das, was ich in der Price Action sehe, also an Unterstützungen, Widerständen und gleitenden Durchschnitten. Sie ist kein eigenständiges Handelssystem.

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